Gesellschaft - Borgentreich

Kursnummer Titel Start Datum Ort Dozent
W310900 "Der jüdische Witz" und die jiddischen Lieder des Mordechaj Gebirtig / Eine Lesung mit musikalischer Begleitung 05.07.2018 ehem. Synagoge in Borgholz N.n.

"Der jüdische Witz" und die jiddischen Lieder des Mordechaj Gebirtig / Eine Lesung mit musikalischer Begleitung

Kursnummer: W310900
Dozent: N.n.

Eine Lesung mit Christian Holtgreve und der musikalischen Begleitung durch die New Yorker Cellistin Maxine Neuman.

"Der jüdische Witz" ist eine berühmte Sammlung von Salcia Landmann, die im Jahre 1960 zum ersten Mal in Buchform erschien. In mehreren Kapiteln wie "Rabbinische Weisheit", "Beim Wunderrabbi", "Von Schnurren und reichen Leuten", "In Caféhaus und Kneipe" und "Mitgift und Liebe" wird das ganze Panorama dieses Genres ausgebreitet. Daraus wird eine (kleine) Auswahl getroffen, die Lust auf mehr macht. Im Vorwort zum Buch schreibt Prof. Carlo Schmid:"Die Krone dieser Witze gehört denen, die hinter und jenseits aller Gesetzhaftigkeit das Heilige aufleuchten lassen, aus denen man über Glaube und Liebe mehr erfahren kann als aus ganzen Regalen theologischer Bibliotheken."

Mordechaj Gebirtig wurde 1877 in Krakau geboren und starb dort im Ghetto 1942. Er war ein jüdisch-polnischer Dichter und Komponist, der von Haus aus Tischler war und sich autodidaktisch
fortgebildet hatte. "Tagsüber hobelte er an Möbeln und nachts am jüdischen Lied", so Zeitgenossen. Seine Lieder komponierte er auf einer kleinen Flöte und Freunde notierten seine Einfälle. Über 150 Lieder sind von ihm überliefert, vom schlichten Kinderlied, über Trinklieder bis zum politisch motivierten Arbeiterlied. Er schrieb diese Lieder in seiner Muttersprache, dem "Jiddisch".
Das Leben der kleinen Leute im jüdischen Stadtteil von Krakau, dem Kazimierz war sein Metier. Im Jahr 1938 schrieb er sein wohl bekanntestes Lied "Undzer shetl brent" ("Unser Städtchen brennt"), eine Voraussicht auf den nahen Untergang seiner Welt. Als er 1940 aus Kazimierz vertrieben wird, verewigt er seinen Abschiedsschmerz in dem Gedicht "Blayb gezunt mir, Kroke":
"Bleib gesund mir, Krakau, ich seh heut zum
letzten Mal dich und alles, was mir lieb ist, an
meiner Mutter Grab das Herz sich ausgeweint, es
ist so schwer zu gehen."

Am 4. Juni 1942 wird er bei einer Aussiedlungsaktion zusammen mit seinem Künstlerkollegen, dem Maler Abraham Neumann, im Krakauer Ghetto von einem deutschen Besatzungssoldaten erschossen.
Die Liebe zu den Menschen macht das Gesamtwerk dieses außergewöhnlichen Dichters unverzichtbar für die Kultur des Erinnerns.

Donnerstag, 05.07., 19:00-20:30 Uhr; ehem. Synagoge in Borgholz; 1 Termine; 2 UE; 0€