100 Jahre VHS

2019 feiern die Volkshochschulen 100- Jährigen Geburtstag. Dieses Jubiläum wird mit einem Festakt am 13. Februar in der Frankfurter Paulskirche begangen und bundesweit mit einer Vielzahl von Veranstaltungen begleitet. Auch unsere VHS beteiligt sich daran.

 Gleichzeitig wird die Weimarer Verfassung 100 Jahre alt. Beide Geburtstage stehen in enger Verbindung: die Weimarer Verfassung erhebt die Volkshochschulen in den Verfassungsrang. In Artikel 148, Absatz 4 heißt es:  „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen,  soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.“[1]

1919 kommt es in Preußen und anderen Teilen des Deutschen Reichs zu einem Gründungsboom von Volkshochschulen. In keinem anderen Jahr wurden so viele Volkshochschulen gegründet. Es ist das Geburtsjahr der Volkshochschule moderner Prägung. Grundlegende Merkmale aus dieser Gründungszeit sind auch heute prägend für alle Volkshochschulen:

  • Kommunale Verankerung
  • Förderung durch die Länder
  • Freiheit der Lehre
  • Freiwilligkeit der Teilnahme
  • Programm-Vielfalt
  • Freiberuflichkeit der Lehrkräfte

Die Verbindung zur Weimarer Republik und zur Erhebung in den Verfassungsrang ist Anlass für das 100- jährige VHS–Jubiläum in 2019.

Volkshochschulen an sich gab es auch schon vor 1919. Die Idee zu dieser Einrichtung kam u.a. aus Dänemark und England.

In deutschen Landen waren Lesegesellschaften Vorformen der Volkshochschulen. Für die Stadt Mainz ist eine solche für 1782 verbürgt. 1832 wurde sie seitens der Regierung in Darmstadt offiziell genehmigt. 1848 erfolgte in Mainz die Gründung eines Bildungsvereins für Arbeiter[2]

Mit dem Verfassungsrang der Weimarer Republik etablierte sich die Volkshochschule reichsweit, unter dem Nationalsozialismus wurde sie eliminiert. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte die Neuinstallation.

Die Erwachsenenbildung bzw. Weiterbildung in der Bundesrepublik ist Ländersache. So gibt es bundesweit über 900 Volkshochschulen; sie unterliegen aber unterschiedlichen Gesetzen.

Für NRW lässt sich die Entwicklung der Volkshochschulen wie folgt beschreiben:[3]

Die Weiter- bzw. Erwachsenenbildung hat in NRW Verfassungsrang.

Auszug aus der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 28.06.1950, Art.17: „Die Erwachsenenbildung ist zu fördern. Als Träger von Einrichtungen der Erwachsenenbildung werden neben Staat, Gemeinden und Gemeindeverbänden auch andere Träger, wie die Kirchen und freie Vereinigungen, anerkannt.“

1953 wurde mit dem Gesetz über die Zuschussgewährung an Volkshochschulen und entsprechenden Volksbildungseinrichtungen“ erstmals in NRW eine Grundlage für die finanzielle Förderung der Weiterbildung sowohl in kommunaler als auch in anderer Trägerschaft geschaffen.

1975 trat das „Erste Gesetz zur Ordnung und Förderung der Weiterbildung im Land Nordrhein-Westfalen“ in Kraft, welches die Aufgaben, Strukturen und Finanzierung der Weiterbildung neu und als kommunale Pflichtaufgabe regelte:

1. Recht auf Weiterbildung für alle Bürgerinnen und Bürger 
2. Einführung der kommunalen Pflichtaufgabe Volkshochschule zur Sicherung der kommunalen Grundversorgung
3. Sicherstellung der Pluralität des Angebots durch gesetzliche Anerkennung weiterer Träger
4. Institutionelle Förderung und Professionalisierung der Einrichtungen durch Zuschüsse für Personal und Maßnahmen.

Weiterbildung ist darin als kommunale Pflichtaufgabe  geregelt.

1984 trat das Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW in Kraft. Es bildet die Grundlage eines Rechtsanspruchs für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Freistellung.
Dieser Bildungsurlaub kann aktuell für politische und berufliche Bildung in Anspruch genommen werden.

Die 435 Einrichtungen der Weiterbildung (davon 131 Volkshochschulen) haben im Jahr 2016 laut Berichtswesen Weiterbildung NRW (Berichtsjahr 2016) 267.000 Bildungsveranstaltungen mit 3,7 Mio. Teilnahmefällen mit 7 Mio. Unterrichtsstunden und 620.000 Teilnehmertagen durchgeführt. Das Berichtswesen Weiterbildung NRW (Berichtsjahr 2016) weist in der Weiterbildung hauptamtliche Mitarbeitende im Umfang von 5.780 Vollzeitäquivalenten und weitere 73.000 nebenberuflich Tätige aus.

 

 


[1] Wer sich näher über das 100- jährige VHS-Jubiläum informieren möchte, sei auf Heft 2-2018 der Zeitschrift „Bildung und Erziehung“ verwiesen (https://www.vr-elibrary.de/doi/10.13109/buer.2018.71.2.125)

[2] Vgl. den Beitrag von Hinzen/Meilhammer in dem unter Fußnote 1 genannten Heft.

[3] Die Beschreibung hält sich an Ausführungen des Gesprächskreises  für Landesorganisationen der Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen

Veranstaltungen zum Jubiläum

Die drei Volkhochschulen im Kreis Höxter beteiligen sich mt folgenden Angeboten an dem Jubiläum:

A1104 Weimarer Republik Chancen und Risiken - Auswirkungen auf unsere Zeit

Demokratie und Republik waren nach 1918 keine Selbstverständlichkeit. Es gab jede Menge andere mögliche Staatsformen. Die Demokratie in der Zwischenkriegszeit war aber eine politische Option, die in Deutschland, im Reich und in den Regionen, zunächst genutzt wurde, am Ende aber scheiterte. Gerade der Aspekt, dass die Geschichte vor 1933 in unterschiedlichem Grade „offen“ war, haben Forschung und Öffentlichkeit erst wieder erkennen und lernen müssen. Es gab Chancen, aber auch Risiken, Glücksmomente und Gefährdungssituationen. Ein Scheitern der Demokratie war ebenso wenig vorherbestimmt wie ein Erfolg voraussagbar war. Die Fragen richteten sich lange Zeit auf die verhängnisvollen Kontinuitäten, wer in der Republik nach 1918 noch Monarchist war, wie stark vor 1933 antidemokratische und antisemitische Strömungen Staat und Gesellschaft in Weimar prägten. Zudem standen die Schwächen der Reichsverfassung im Blickpunkt. Der Vortrag soll dagegen die Chancen der Demokratie sowie die vehementen Anhänger der Republik stärker ins Blickfeld rücken als dies bisher geschehen ist.
Der Referent, Prof. Dr. Ewald Grothe, ist Professor für Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal und leitet das Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Nur Abandkass! Um eine Anmeldung vorab wird gebeten, um besser planen zu können. Kurzentschlossene sind auch willkommen.

Prof. Dr. Ewald Grothe

Dienstag, 26. Februar 2019, 19.00 - 20.30 Uhr

Haus der VHS in Höxter
Gebühr: 4,00 Euro, ermäßigt: 2,00 Euro

 

A1012 Deutscher Weiterbildungsatlas

Wie entwickelt sich der Kreis Höxter?

Wie sind Weiterbildungsangebote und Weiterbildungsteilnahme in Deutschland regional verteilt? Dieser Frage geht der Deutsche Weiterbildungsatlas in der dritten Ausgabe nach. Der aktuelle Atlas illustriert die Weiterbildungssituation in den Bundesländern sowie den 401 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten. Die Referenten von der Bertelsmann Stiftung geben einen Überblick über Teilnahme und Angebot in Deutschland und NRW und thematisieren insbesondere die konkreten Daten des Kreises Höxter. Interessierte und Verantwortliche, die sich mit Weiterbildung und Fortbildung beschäftigen, erhalten hier die aktuellsten Erkenntnisse und finden Anknüpfungspunkte für ihre Praxis.
Um eine Anmeldung vorab wird gebeten, um besser planen zu können. Kurzentschlossene sind auch willkommen.

Frank Frick und Lena Wittenbrink

Dienstag, 21. Mai 2019, 18.30 - 20.00 Uhr

Haus der VHS in Höxter
gebührenfrei

 

A5116 VHS-Cloud

Fortbildung für VHS-Mitarbeiter und Dozenten

Die VHS-Cloud ist das Online-Netzwerk der Volkshochschulen in Deutschland. Auf der VHS-Cloud erhält jede Volkshochschule ihren eigenen geschützten Arbeitsbereich für die webbasierte Kommunikation und die Zusammenarbeit in der Volkshochschule mit Dozenten, Mitarbeitern, Teilnehmern sowie in einzelnen Arbeitsgruppen. Für online-gestützte Kurse bietet die VHS-Cloud ein vollständiges Lernmanagementsystem. Volkshochschulen können einfach neue Kurse anlegen und so ihr Kursangebot ergänzen bzw. erweitern. Zudem fördert die VHS-Cloud den Austausch von Volkshochschulen bundesweit. In dieser kreisweiten Schulung werden interessierte Dozenten und Mitarbeiter mit dem System vertraut gemacht. Eine vorherige Anmeldung ist zwingend erforderlich.

Mirko Löffelbein

Freitag, 22. März 2019, 14.00 - 17.15 Uhr

Haus der VHS in Höxter
gebührenfrei

 

120401  Biographien und Texte jüdischer Gelehrter

Christian Holtgreve

Mittwoch, 13.2., 27.2., 13.3. u. 27.3., jeweils von 19.00-21.00 Uhr; Warburg, Am Markt 3 (Altstadt); 4 x 2,67 UE; Gebühr: 21,00 €

 

320401  Literatur und Musik: Große jüdische deutschsprachige Gelehrte

Christian Holtgreve/Klezmergruppe der Musikschule Korbach

Donnerstag, 6.6., 19.00-22.00 Uhr; ehem. Synagoge in Borgholz; 4 UE; keine Gebühr

 

320402  Peter Ernst und Maxine Neuman - Werke jüdischer Komponisten

Ein Musikabend mit dem Warburger Gitarristen Peter Ernst und der New Yorker Cellistin Maxine Neuman. Sie sind in der ehemaligen Synagoge bekannt für die Aufführung jüdischer Komponisten und gestalten hierfür eigens Konzerte.

Der Termin wird rechtzeitig über die Tagespresse bekannt gegeben.

 

Tirzah Haase (Gesang/Texte) / Armine Ghuloyan (Klavier) – Das Lied ist aus

Lieder jüdischer Komponisten der 1930er Jahre

Der Termin wird rechtzeitig über die Tagespresse bekannt gegeben.

 

Literatur und Musik: Hugo Preuss, der Vater der Weimarer Verfassung

Christian Holtgreve (Texte) / Michael Kuhaupt (Klarinette)

Donnerstag, 10.10., 19.00-22.00 Uhr; ehem. Synagoge in Borgholz; 4 UE; keine Gebühr