Der Ansatz

Das Leader Projekt "Dorf.Zukunft.Digital" hat das Ziel, 30 Dörfer aus verschiedenen Kommunen im Kreis Höxter (NRW) fit für die digital vernetzte Zukunft zu machen. Sie erhalten im Förderzeitraum von 3 Jahren (1.9.2020 - 31.08.2022) die Chance, digitale Anwendungen mit der Dorfgemeinschaft zu erproben, um die Daseinsvorsorge, Teilhabe und Nachbarschaftshilfe sowie das Ehrenamt und Miteinander vor Ort zu stärken.

Das Projekt reagiert auf demografische Veränderungen in den Ortschaften, in dem es Informationsaustausch und Kommunikation auch digital ermöglicht. Berufspendler, Studierende, Hochbetagte, Neuzugezogene und Flüchtlinge können so schneller ins Dorfleben integriert werden. Das persönliche Gespräch über den Gartenzaun wird ergänzt über eine digitale Dorfplattform (Website und App), über die ortsunabhängig Neuigkeiten ausgetauscht sowie Rat und Hilfe organisiert werden kann.

Damit die Bürgerinnen und Bürger den Umgang mit digitalen Geräten und Anwendungen erproben können, erhalten die Dörfer IT-Equipment für ihr Dorfgemeinschaftshaus bzw. ihre Bürgerhalle. Zusätzlich verfolgt das geplante Projekt DZD das Ziel, die teilnehmenden Dörfer im Bereich Projektmanagement, Fördermittelbeantragung, EDV, Social Media Kommunikation, Datensicherheit und neues Ehrenamt mit Wissen auszustatten, so dass Dorfentwicklung zukünftig alle Vorteile der Digitalisierung nutzen kann.

Die projektbeteiligten Dörfer vernetzten sich untereinander und geben ihre Erfahrungen an die anderen Dörfer im Kreis Höxter weiter.

Die Realisierung des Projektes beinhaltet folgende 5 Module:

  • Modul 1: Auswahl- und Beteiligungsverfahren
  • Modul 2: Lern- und Medienecken
  • Modul 3: Digitale Dorf-Plattform
  • Modul 4: Schulung zum Dorf-Digital-Lotsen
  • Modul 5: Vernetzung und Kommunikation

Das Auswahl- und Beteiligungsverfahren

Interessierte Dörfer können ihr Interesse formlos melden an 

hw@dorfdigital.com

Dort erhalten sie die benötigten Unterlagen für die Bewerbung. Dabei handelt es sich um eine Kurzbeschreibung. 

Diese Unterlagen müssen ebenfalls per Mail an die genannte Adresse bis zum 25.10.2019 eingegangen sein. 

Die Auswahl der Dörfer als Teilnehmer an dem Projekt erfolgt durch ein transparentes Verfahren mithilfe einer unabhängigen Fachjury bis Ende November. 

Der Projektzusammenhang

Hans-Werner Gorzolka ist Kreisheimatpfleger und als Bewohner von Höxter-Ovetnahusen projektbeteiligt. So sieht er er den breiteren Projektzusammenhang:

 

Hans Werner Gorzolka (Kreisheimatpfleger):

Dorfentwicklung, Ehrenamt und Digitalisierung

Unser Bundespräsident sagte in seiner Neujahrsansprache 2018 sinngemäß:

Zukunft ist kein Schicksal, das wir einfach nur erleiden; nein, unsere Zukunft ist gestaltbar, und zwar immer dann, wenn sich aufrechte Menschen finden, die sich engagieren, sich zusammenfinden und sich gemeinsam für eine gute Sache, eine gute Idee, ein gutes Projekt und damit für das Gemeinwohl einsetzen.

Zukunft beginnt im Kopf - mit der Erkenntnis, dass ein „Weiter so“ uns eben nicht weiterbringen wird, sondern dass wir neue Wege gehen müssen, um uns mit den aktuellen Megatrends auseinanderzusetzen und die sich bietenden Chancen der Digitalisierung umsichtig zu nutzen.

Der Schlüssel für eine zukunftsweisende Dorfentwicklung und damit auch für eine erfolgversprechende Heimatpflege liegt also bei uns Menschen, bei unseren Fähigkeiten und Talenten, er liegt in unseren Familien, in unseren Nachbarschaften und Straßenzügen also auf der Ebene Dorf. Einer Ebene, in der wir alle Macht und Einflussmöglichkeiten haben, dort wo Menschen als Akteure in einer Dorfgemeinschaft hoffentlich planvoll zusammenarbeiten, also bei den Vereinen, den Kirchen und den politischen Parteien.

Um erfolgreich zu sein brauchen unsere Dörfer eine gesunde Mischung aus Optimisten und Realisten. Wir brauchen das Ehrenamt als bürgerschaftliches Engagement dringender denn je als Mitmacher, Mutmacher, Muntermacher und Kümmerer; als Menschen mit Ideen, Visionen und Projektentwürfen, die Dorfentwicklung im Kontext mit Digitalisierung neu denken und für ihre Dörfer nutzen.

Wir brauchen Menschen mit einer gefestigten Haltung, wir brauchen Überzeugungstäter mit einem klaren inneren Wertekompass, die bereit sind, sich für das Gemeinwohl einzusetzen und einen Teil ihrer Freizeit dafür zu opfern.

Unsere Demokratie ist in Gefahr durch Leute wie Putin, Trump, Erdogan, Kaczynski, Orban, Gauland, Höcke und wie sie alle heißen. Die Mordanschläge von Wolfhagen und Halle sind traurige Höhepunkte einer schleichenden Brunnenvergiftung. Autokraten und Nationalisten setzen unsere Wertegemeinschaft aufs Spiel und vermitteln vielen Menschen das Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Hinzukommen Google, Amazone, Apple und Co. und die Frage, wer uns eigentlich regiert.

Mit Projekten wie dem abgeschlossenen Smart Country Side und unserem persönlichen Engagement können wir diesen „Scheinriesen“ entgegentreten.

Die Pilotprojekte „Smart Country Side“ (SCS) der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und „Digitale Kompetenz für Bürger*innen im ländlichen Raum“ der VHS Diemel-Egge-Weser sind der Gegenentwurf zum Weggucken, zum Abseitsstehen und zum Sich Raushalten. Wer nichts tut oder meint, nichts tun zu können, nimmt sich selbst vom Spielfeld und überlässt es kampflos Populisten, Verführern und Rattenfängern.

Das neue Projekt „Dorf.Digital.Zukunft“ (DZD) der VHS Diemel-Egge-Weser vertieft und erweitert die Konzepte der genannten beendeten Projekte und nimmt insgesamt 30 Dörfer des Kreises Höxter ins Boot.

Die wichtigste Botschaft ist, dass wir jeden Tag mit solchen Projekten wie SCS oder DZD beginnen können. Tag für Tag aufs Neue können wir uns für das Gemeinwohl engagieren, Vorbild für andee sein und Haltung zeigen. Das ist in hohem Maße und im besten Sinne gelebte Demokratie und überzeugendes politisches Handeln.

Wenn „Smart Country Side“ und die „Digitale Kompetenz…“eines erreicht hat, dann dies: viele Menschen haben den Hintern vom Sofa hochbekommen. Sie haben sich viele Stunden abgerackert, sich ausbilden lassen und sich ehrenamtlich in hohem Maße engagiert.

Ländliche Regionen, also unsere Heimat als inklusive, aufgeschlossene, lebens- und liebenswerte Region zu gestalten, das muss unser aller Ziel, insbesondere aber das Ziel einer an der Lebenswirklichkeit orientierten Heimatpflege sein.

Engagement vor Ort macht den Unterschied und belebt unsere Dörfer. Engagement tut gut. Es ist identitätsstiftend und schafft über Förderprogramme wie Smart Country Side Angebote, die unsere Dörfer zukunftsfähig und resilient machen. Denn ein Dorfleben ohne ehrenamtliches Engagement ist für mich schlicht nicht vorstellbar; es wäre trist, sinnesleer und in höchstem Maße bedrohlich.

Die direkt sichtbaren Effekte unseres bisherigen Projektes wie die neuen Homepages, der Dorffunk, die Lern- und Medienecke, die ausgebildeten Dorfdigitalexperten usw., usw. sind aber lange noch nicht alles. Wir haben die Konzeption von Smart Country Side und der „Digitalen Kompetenz…“ von unten her durchgreifend mitgestaltet und um gute Lösungen gerungen. Wir glauben an unsere Selbstwirksamkeit und wir sind davon überzeugt, dass gerade die Vernetzung der Dörfer untereinander uns wirklich nach vorne bringt.

Engagement im Ehrenamt, demokratisches Miteinander und Füreinander, Respekt und Haltung zeigen, das bringt uns voran. Die Anstiftung zum eigenen Handeln, die Belebung unserer Dörfer durch neue Ideen und Denkansätze, die Ermöglichung von Engagement durch Förderung in solchen Projekten, das ganze verbunden mit einer Portion Wertschätzung und hohem medialen Interesse, so, meine Damen und Herren, wird auch beim neuen Projekt DZD ein Schuh draus.

Ich glaube fest an die Vision eines sorgenden Dorfes, einer sorgenden Gemeinschaft und sehe gerade in der Nutzung der Digitalisierung große Chancen zu wesentlichen Fortschritten.

Mit Smart Country Side und der „Dighitalen Kompetenz…“ ging ein Ruck durch die Dörfer. Neue Kümmerer und Aktive wurden gewonnen. Dorfdigitalexperten machten sich auf den Weg. 150 Multiplikatoren haben 85 Std. Schulungen auf sich genommen und werden ihr Wissen weitergeben. Hinzu kamen Fortbildungen und Informationsveranstaltungen zu Risiken und den dunklen Seiten der Digitalisierung. Kurzum: ein gutes Rüstzeug im Umgang mit den neuen Medien.

Eines hat das Projekt aber auch gezeigt: Ehrenamt braucht Hauptamt bzw. Hauptamt muss Ehrenamt unterstützen. Diese Erkenntnis, an sich eine Binsenweisheit, hat sich Gott sei Dank durchgesetzt. Viele Ehrenamtliche haben schwer an ihren Aufgaben zu tragen. Hier gilt es, Hilfsangebote zu machen, Beratungs- und Lotsendienst zu implementieren, um auf der einen Seite gut und sinnvoll zu fördern, andererseits Ehrenamtler wirksam zu entlasten. Es geht nicht ums Geld. Es geht um Unterstützung, Wertschätzung und die Bereitstellung notwendiger Ressourcen. Hinzukommt die Notwendigkeit der Verstetigung und einer von Nachhaltigkeit geprägten Strategie.

SCS ist offiziell zu Ende gegeangen; DZD an den Start gegangen. Wir erhalten die Chance, das Projekt auf 30 Dörfer auszurollen und damit immerhin ein Viertel unserer 124 Städte/Dörfer und Ortsteile zu erreichen und in den kommenden Jahren nach vorn zu bringen.

Passgenau und idealtypisch kommt uns im Kreis HX darüber hinaus das Projekt Ehrenamt 4.0 zu Gute, mit dem ab Beginn des neuen Jahres eine Geschäftsstelle zur Unterstützung des Ehrenamtes eingerichtet wird. Eine Riesenchance, die wir nutzen müssen…

 

Dennoch – Digitalisierung ist in all ihren Facetten kein Projekt auf Zeit oder von kurzer Dauer, sondern ein nicht mehr aufzuhaltender Megatrend, ein tiefgreifender Prozess, der nahezu alle unsere Lebensbereiche berühren, erfassen und verändern wird. Ergo: Eine nachhaltig angelegte Strategie ist unabweisbar erforderlich, was aber auch heißt, dass auf Dauer hinreichend Personal und Ressourcen darauf verwandt werden müssen.

 

Wenn wir Dokumente und Veröffentlichungen über die Chancen der Digitalisierung lesen, finden wir in erster Linie folgende Begriffe: Nutzen für die Wirtschaft, Abbau von Disparitäten, Flexibilisierung der Arbeit, erhöhte Standortunabhängigkeit, Steigerung der Wertschöpfung und E-Commerce. Als Ehrenamtliche neigen wir jedoch eher zu den sozialen, zu den weichen Aspekten wie Daseinsvorsorge und orientieren uns an Begriffen wie Teilhabe, Fürsorge, gegenseitige Hilfestellung, Rat, Tat und Hilfe für jedermann bis hin zu seelsorgerischen Aspekten.

 

Es tut sich was auf dem Land. Aber wir stehen noch am Anfang. Dieser Anfang ist mit dem Projekt Smart Country Side gut gelungen und auch das neue Projekt „Dorf.Digital.Zukunft“ wird sicherlich einen wirksamen Beitrag leisten. Wir haben allen Grund zur Freude: es passiert etwas, es bewegt sich etwas, - und zwar dadurch, dass wir uns ehrenamtlich engagieren und etwas für unser Gemeinwohl tun.

 

Digitalisierung ist aber keineswegs allein staatliche Aufgabe; nein - sie gehört ebenso in Bürgerhand - in unsere Hände. Wir können - nein wir müssen uns aktiv einbringen. SCS hat dies deutlich gemacht. Unser Auftrag lautet, in unseren Dörfern die Kompetenzen und Fähigkeiten zu entwickeln, die auf einen souveränen Umgang mit der neuen Technik abheben.

 

Frei nach Immanuel Kant: Habt Mut euch eures eigenen Verstandes zu bedienen!!!

 

Hier finden Sie den Text als pdf-Download.